{"id":2145,"date":"2021-05-19T22:00:44","date_gmt":"2021-05-19T20:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/freifunk-kitzingen.de\/?p=2145"},"modified":"2021-05-19T22:02:52","modified_gmt":"2021-05-19T20:02:52","slug":"freifunk-kitzingen-an-zwei-internet-exchanges-praesent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freifunk-kitzingen.de\/index.php\/2145\/2021\/05\/19\/freifunk-kitzingen-an-zwei-internet-exchanges-praesent\/","title":{"rendered":"Freifunk Kitzingen an zwei Internet Exchanges pr\u00e4sent"},"content":{"rendered":"<p>Das AS des Freifunk Kitzingen ist nun an zwei Internet Exchanges, dem &#8220;KleyReX&#8221; und dem &#8220;LocIX Frankfurt&#8221; zum peeren pr\u00e4sent.<br \/>\nWarum Peering wichtig ist&#8230; Und was die vielen Begriffe \u00fcberaupt bedeuten&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>Es ist geschafft &#8211; wir sind endlich wieder ein St\u00fcck mehr selbstst\u00e4ndig. Wir wollen den Moment nutzen, um in allgemeinverst\u00e4ndlicher Sprache zu vermitteln, was wir da an diesen Internet Exchanges machen und was das bringt.<\/p>\n<p>Habt Ihr Euch schon mal Gedanken gemacht, wie eure Google Suche von der Telekom zu Google kommt? Oder, wie das s\u00fc\u00dfe Katzenvideo von Youtube zu euch in den Kabelanschluss reingestreamt wird? Nun, daf\u00fcr muss doch die Telekom wissen, wie die Daten zu Google und Youtube, also ebenfalls Google m\u00fcssen und wie die Daten zu euch zur\u00fcck kommen.<\/p>\n<p>Stellen wir uns IP-Adressen wie Telefonnummern vor. So haben Telefonnummern L\u00e4ndervorwahl und Ortsvorwahl. IP-Adressen haben dies nicht.<br \/>\nFolglich m\u00fcssen die Datenstr\u00f6me mit anderen Mitteln gelenkt werden. Um Datenverkehre zu lenken, bedient man sich des &#8220;Routings&#8221;. Routen sind wie Verkehrsschilder, die sagen &#8220;nach M\u00fcnchen gehts erstmal \u00fcber N\u00fcrnberg&#8221;. W\u00e4hrend die Anzahl der St\u00e4dte, die man Ausschildern muss, relativ \u00fcberschaubar ist und man das manuell alles entscheiden kann, geht das im Internet nicht. Ipv4 hat knapp 4,3 Milliarden IP-Addressen (2^32), ipv6 sogar 128 bit und damit 2^128, also unz\u00e4hlbar viele.<\/p>\n<p>Um anderen Providern mitzuteilen, welche IP-Adressen man hat, damit diese die Routen autonom (also ohne manuelle Eingriffe) generieren k\u00f6nnen, hat sich der Standard &#8220;Border Gateway Protokoll&#8221; durchgesetzt. Dabei bekommt jeder Internet-Provider eine Nummer. Die nennt sich AS-Nummer, AS steht dabei f\u00fcr &#8220;Autonomes System&#8221;, weil niemand manuell Routen eintr\u00e4gt.<br \/>\nSagen wir, ihr seid mit DSL oder Kabel Kunde bei einem Provider der die AS Nummer 1 hat und ihr wollt eine Webseite aufrufen, die bei einem Webhoster mit der AS Nummer 10 im Rechenzentrum liegt: Nun muss AS1 seine IP-Adressen dem AS10 mitteilen und umgekehrt, damit ihr die Webseite erreichen k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Nun kann es sein, dass ihr bei einer kleinen Glasfasergenossenschaft, die nur euren Ort versorgt, angeschlossen seid. Die kann sich nat\u00fcrlich nicht weltweit \u00fcberall mit allen Rechenzentren und Streamingdiensten und Cloud-Anbietern etc. direkt verbinden. Der Aufwand w\u00e4re &#8211; f\u00fcr die geringe Anzahl an Kunden &#8211; einfach viel zu gro\u00df. In diese Niesche sto\u00dfen sogenannte Tier1-Provider. Sie haben eine globale Pr\u00e4senz und tragen den Datenverker weiter. In unserem Beispiel k\u00f6nnte das AS2 und AS5 sein. Der eine in den USA ans\u00e4ssig, der andere vielleicht aus Europa. Da auch der kleine Rechenzentrums-Provider Datenverkehr durch die AS kauft, weil er nicht selbst global pr\u00e4sent sein kann, sieht AS1 die Routen von AS10 und AS10 die Routen von AS1. Diese Art Datenverkehr &#8220;einfach&#8221; an mehrere Provider abzugeben, da man selbst nicht alles erreichen kann, nennt man in der Fachsprache &#8220;Transit&#8221;. In der Regel kostet Transit Geld f\u00fcr die benutzte Bandbreite, weil das ja eine Dienstleistung ist.<\/p>\n<p>Nun ist Frankfurt aber vielleicht auch gar nicht so weit und Euer Provider erreicht mit AS1 einen Internet-Exchange. Ein Internet-Exchange ist wie ein &#8220;gro\u00dfer Switch&#8221;, in dem sich viele verschiedene AS direkt miteinander verbinden k\u00f6nnen. Hier ist auch zuf\u00e4llig der Rechenzentrumsprovider mit AS10.<br \/>\nNun k\u00f6nnen AS1 und AS10 direkt &#8211; ohne Transitkosten &#8211; die Routen und den Datenverkehr miteinander austauschen. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch der Weg ist viel direkter. Das bedeutet z.B. f\u00fcr die Gamer eine niedrigere Latenz. Dieses direkte Zusammenschalten von 2 Autonomen Systemen, damit diese nur Traffic austauschen, der direkt vom einen zum anderem AS will, nennt man in der Fachwelt &#8220;Peering&#8221;. Peering macht f\u00fcr alle Internet-Benutzer die Latenzen klein und spart Kosten f\u00fcr Transit. Deswegen ist Peering wichtig.<\/p>\n<p>Da wir den Datenverkehr von diversen sozialen Einrichtungen, Museen, offenen WLAN-Hotspots etc. einsammeln und auch wieder los werden wollen, wollen wir nat\u00fcrlich auch peeren. Weniger aus finanziellen Gr\u00fcnden (der Transit wird weitestgehend \u00fcber den Community IX gesponsert, vielen Dank daf\u00fcr), sondern weil Transit auch immer auf der anderen Seite auch jemanden Geld kostet und die Wege teilweise nicht sehr direkt sind.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re der DE-CIX gr\u00f6\u00dfer und sch\u00f6ner als Internet Exchange als LocIX und KleyReX, aber wir wollen erstmal mit zwei kleinen Internet Exchanges anfangen, bevor wir den Mega-Exchange in Angriff nehmen. Es geht ja auch f\u00fcr unseren Verein darum, sich sowas zu erarbeiten, es zu verstehen, es anzuwenden und dabei zu lernen und anderen dieses Wissen wieder zur Verf\u00fcgung zu stellen &#8211; und dabei auch noch was Sinnvolles zu tun.<\/p>\n<p>Wir hoffen, diese kleine Beschreibung war dir als Einstieg in die Welt des BGP Routings eine Hilfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das AS des Freifunk Kitzingen ist nun an zwei Internet Exchanges, dem &#8220;KleyReX&#8221; und dem &#8220;LocIX Frankfurt&#8221; zum peeren pr\u00e4sent. 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