
Das AS des Freifunk Kitzingen ist nun an zwei Internet Exchanges, dem “KleyReX” und dem “LocIX Frankfurt” zum peeren präsent.
Warum Peering wichtig ist… Und was die vielen Begriffe überaupt bedeuten…
Es ist geschafft – wir sind endlich wieder ein Stück mehr selbstständig. Wir wollen den Moment nutzen, um in allgemeinverständlicher Sprache zu vermitteln, was wir da an diesen Internet Exchanges machen und was das bringt.
Habt Ihr Euch schon mal Gedanken gemacht, wie eure Google Suche von der Telekom zu Google kommt? Oder, wie das süße Katzenvideo von Youtube zu euch in den Kabelanschluss reingestreamt wird? Nun, dafür muss doch die Telekom wissen, wie die Daten zu Google und Youtube, also ebenfalls Google müssen und wie die Daten zu euch zurück kommen.
Stellen wir uns IP-Adressen wie Telefonnummern vor. So haben Telefonnummern Ländervorwahl und Ortsvorwahl. IP-Adressen haben dies nicht.
Folglich müssen die Datenströme mit anderen Mitteln gelenkt werden. Um Datenverkehre zu lenken, bedient man sich des “Routings”. Routen sind wie Verkehrsschilder, die sagen “nach München gehts erstmal über Nürnberg”. Während die Anzahl der Städte, die man Ausschildern muss, relativ überschaubar ist und man das manuell alles entscheiden kann, geht das im Internet nicht. Ipv4 hat knapp 4,3 Milliarden IP-Addressen (2^32), ipv6 sogar 128 bit und damit 2^128, also unzählbar viele.
Um anderen Providern mitzuteilen, welche IP-Adressen man hat, damit diese die Routen autonom (also ohne manuelle Eingriffe) generieren können, hat sich der Standard “Border Gateway Protokoll” durchgesetzt. Dabei bekommt jeder Internet-Provider eine Nummer. Die nennt sich AS-Nummer, AS steht dabei für “Autonomes System”, weil niemand manuell Routen einträgt.
Sagen wir, ihr seid mit DSL oder Kabel Kunde bei einem Provider der die AS Nummer 1 hat und ihr wollt eine Webseite aufrufen, die bei einem Webhoster mit der AS Nummer 10 im Rechenzentrum liegt: Nun muss AS1 seine IP-Adressen dem AS10 mitteilen und umgekehrt, damit ihr die Webseite erreichen könnt.
Nun kann es sein, dass ihr bei einer kleinen Glasfasergenossenschaft, die nur euren Ort versorgt, angeschlossen seid. Die kann sich natürlich nicht weltweit überall mit allen Rechenzentren und Streamingdiensten und Cloud-Anbietern etc. direkt verbinden. Der Aufwand wäre – für die geringe Anzahl an Kunden – einfach viel zu groß. In diese Niesche stoßen sogenannte Tier1-Provider. Sie haben eine globale Präsenz und tragen den Datenverker weiter. In unserem Beispiel könnte das AS2 und AS5 sein. Der eine in den USA ansässig, der andere vielleicht aus Europa. Da auch der kleine Rechenzentrums-Provider Datenverkehr durch die AS kauft, weil er nicht selbst global präsent sein kann, sieht AS1 die Routen von AS10 und AS10 die Routen von AS1. Diese Art Datenverkehr “einfach” an mehrere Provider abzugeben, da man selbst nicht alles erreichen kann, nennt man in der Fachsprache “Transit”. In der Regel kostet Transit Geld für die benutzte Bandbreite, weil das ja eine Dienstleistung ist.
Nun ist Frankfurt aber vielleicht auch gar nicht so weit und Euer Provider erreicht mit AS1 einen Internet-Exchange. Ein Internet-Exchange ist wie ein “großer Switch”, in dem sich viele verschiedene AS direkt miteinander verbinden können. Hier ist auch zufällig der Rechenzentrumsprovider mit AS10.
Nun können AS1 und AS10 direkt – ohne Transitkosten – die Routen und den Datenverkehr miteinander austauschen. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch der Weg ist viel direkter. Das bedeutet z.B. für die Gamer eine niedrigere Latenz. Dieses direkte Zusammenschalten von 2 Autonomen Systemen, damit diese nur Traffic austauschen, der direkt vom einen zum anderem AS will, nennt man in der Fachwelt “Peering”. Peering macht für alle Internet-Benutzer die Latenzen klein und spart Kosten für Transit. Deswegen ist Peering wichtig.
Da wir den Datenverkehr von diversen sozialen Einrichtungen, Museen, offenen WLAN-Hotspots etc. einsammeln und auch wieder los werden wollen, wollen wir natürlich auch peeren. Weniger aus finanziellen Gründen (der Transit wird weitestgehend über den Community IX gesponsert, vielen Dank dafür), sondern weil Transit auch immer auf der anderen Seite auch jemanden Geld kostet und die Wege teilweise nicht sehr direkt sind.
Natürlich wäre der DE-CIX größer und schöner als Internet Exchange als LocIX und KleyReX, aber wir wollen erstmal mit zwei kleinen Internet Exchanges anfangen, bevor wir den Mega-Exchange in Angriff nehmen. Es geht ja auch für unseren Verein darum, sich sowas zu erarbeiten, es zu verstehen, es anzuwenden und dabei zu lernen und anderen dieses Wissen wieder zur Verfügung zu stellen – und dabei auch noch was Sinnvolles zu tun.
Wir hoffen, diese kleine Beschreibung war dir als Einstieg in die Welt des BGP Routings eine Hilfe.